Igel gefunden? Was nun?


Vor allem im Herbst kann es einem passieren, daß man eine Begegnung mit einem Igel hat. Dann stellt man sich die Frage: Was nun?


Leider sterben jedes Jahr viele Igel durch unsachgemäße Hilfsversuche und falsche Haltungsbedingungen.


Deshalb sollte man sich die Frage stellen:
Wann braucht ein Igel Hilfe?

Hilfe benötigen:

- verletzte Igel, besonders wenn sie offene Wunden haben.

- Igel die stark mit Parasiten befallen sind, z.B. Maden, Lungenwürmer (Husten), Würmern (starke Abmagerung schlechter Allgemeinzustand) etc., ein Hinweis darauf kann auch sein, daß die eigentlich nachtaktiven Tiere tagsüber aktiv sind und sich nicht  verkrochen haben.

- Jungtiere die offensichtlich  nach längerem Beobachten nicht von der Mutter versorgt werden obwohl sie laut rufen.

- Jungigel, die Mitte November noch keine 500 Gramm Gewicht haben, also voraussichtlich den Winterschlaf nicht überleben würden. Hier gehen über die Gerwichtsangaben die Expertenmeinungen sehr auseinander, man kann Angaben von 350-500 Gramm Gewicht finden, die für das Überleben des Winters ausreichen sollen. Wichtig ist hier, nicht zu früh die Jungigel aufzusammeln. Bis Mitte November könnten viele der jährlich von Tierfreunden verfrüht aufgenommenen Igel das benötigte Gewicht in der freien Natur noch erreichen. Also genau prüfen, ob der Igel wirklich Hilfe benötigt! Natürlich hat man bei einem Spaziergang keine Waage dabei, deshalb als Anhaltspunkt folgende ca. Angaben:
Igel handtellergroß  ca. 100-150 Gramm
Igel handgroß ca. 250-400 Gramm
Igel größer als handgroß ca. 500 Gramm und mehr
Die Angaben sind natürlich von der Handgröße abhängig. Igel die deutlich größer als eine Hand sind sollte man nur aufnehmen wenn sie verletzt oder krank sind. Hat man einen Igel, auf Grund seines vermeintlich zu geringen Gewichtes,  mitgenommen, der sich beim wiegen zu Hause als groß genug erweist, sollte man ihn umgehend wieder an die Stelle bringen wo man ihn gefunden hat. Er hat dann wahrscheinlich schon ein Winterquartier eingerichtet und darf nicht an einer anderen Stelle ausgesetzt werden. Ausnahme: Der Ort wo man ihn gefunden hat ist für den Igel gefährlich (Straße etc.) dann möglichst in nächster Umgebung an einem sicheren Platz absetzen.

Bitte beachten: Muß ein kranker/verletzter erwachsener Igel im Frühjahr, Sommer oder Frühherbst aufgenommen werden,  sollte man versuchen festzustellen, ob es sich um ein säugendes Muttertier handelt (Gesäuge auf der Unterseite des Igels untersuchen). Für diesen Fall sollte man, falls möglich, den Igel erst aufnehmen wenn man das Nest desselben gefunden hat, um die Jungtiere ebenfalls mitzunehmen. 

Wie transportiere ich den Igel?

Sollte nach eingehender Überlegung die Aufnahme des Igels unvermeidlich erscheinen stellt sich die nächste Frage: Wie transportiere ich den Igel?
Passenderweise trifft es einen natürlich stets völlig unvorbereitet.
Da fast alle Igel Flöhe und andere Aussenparasiten haben ist wenig empfehlenswert diese mit einer Jacke oder einem Schal aufzunehmen.
Findet man den Igel im Wald kann man beide Hände mit Laub füllen und den Igel damit aufnehmen, ohne sich an den Stacheln zu pieken. Auf einer Wiese sollte man Gras oder Wildkräuterbüschel verwenden (Natürlich keine Brennesseln ). Selbstverständlich hat man wie transportiere ich einen Igel?, da es einen ja unvorbereitet trifft, vorher auch nicht gelesen.
Wer also nach Hause gegangen ist um einen passenden Karton und ein Handtuch zu holen wird wohl feststellen, daß der Igel nicht auf die Rückkehr gewartet hat . Wer keinen Karton geholt hat, hat nun entweder angepiekte Hände, eine verseuchte Jacke oder Schal, oder ist allein drauf gekommen wie es geht.

Igel aufgenommen? Was nun?

Die Pflege von Igeln ist eine überaus aufwendige und komplizierte Angelegenheit und sollte, meiner Meinung nach,  von Fachleuten übernommen werden.
Deshalb sollte man dem Igel als erste Hilfemaßnahme etwas Katzenfutter, notfalls auch Hundefutter anbieten, sowie frisches Trinkwasser, und umgehend Kontakt zur
Igelnothilfe oder dem nächsten Tierheim aufnehmen. Verletzte und kranke Igel sind umgehend dem Tierarzt vorzustellen. Jeder Igel, auch ein untergewichtiger nicht offensichtlich kranker Igel, benötigt tierärztliche Versorgung (alle meine Igel, die ich aufgenommen hatte wurden von meinem Tierarzt umsonst behandelt, dafür an dieser Stelle nochmal vielen Dank! Obwohl ich es irgendwo auch selbstverständlich finde, aber das führt hier jetzt zu weit..). Es muß eine Kotuntersuchung auf Wurmbefall, eine Kontrolle auf Lungenwürmer, eine Bekämpfung von Aussenparasiten etc. pp. durchgeführt werden.

Wer es unbedingt selbst probieren möchte, einen Igel zu versorgen,  sollte sich unbedingt kompetente Beratung bei der
Igelnothilfe holen, und sich persönlich beraten lassen.  Man muß sich darüber klar werden, daß man einen ruhigen Raum benötigt, der aber eine Temperatur von ca. 20 grd C haben muß. Man muß ein großes Gehege erstellen und täglich reinigen und natürlich das Tier versorgen. Das alles ist sehr aufwendig, man muß den Igel regelmäßig wiegen und ggf. den Tierarzt aufsuchen, wenn der Igel nicht mehr zunimmt.

Wie es genau gemacht wird kann man bei der
Igelnothilfe nachlesen, ich kann nur empfehlen, persönlich Kontakt zu einem Igelspezialisten aufzunehmen..

Wenn man das nicht auf sich nehmen will oder kann sollte man den Igel bei einer Igelstation/Igelhife oder einem Tierheim abgeben.

Bei alledem  sollte man nicht vergessen:

Wer einen Igel aus der Natur entnimmt hat auch die Verantwortung für sein Wohlergehen! Also nicht halbherzig rumwursteln, entweder richtig machen oder jemandem geben der es richtig macht. Bitte nicht böse sein über die harten Töne die ich hier anschlage, aber ich habe genau das leider schon erlebt. Der Igel hat das mit seinem Leben bezahlt. Als ich mitbekam daß er in einem kalten Schuppen eingesperrt war, und nicht sachgemäß versorgt wurde,  war es schon zu spät. In der Natur hätte er eine bessere Überlebenschanche gehabt! Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.